…danke an Dom fürs Zuwerfen. Und weil er sich das letzte Mal nicht mit Händen und Füßen gewehrt hat, werfe ich die Aufforderung zu ein paar Reflexionen über sich selbst gleich an Seba weiter.
Was ist für Sie das vollkommene Glück?
Das vollkommene Glück? Ich würde wahrscheinlich daran vorbeirennen, so wie ich mich kenne. Ein kleines Glück würde mir auch schon reichen; ein Mensch, der mich beim Einschlafen im Arm hält, beispielsweise.
Was ist Ihre grösste Angst?
Das, was ich tue, vor mir selbst nicht mehr verantworten zu können.
Mit welcher historischen Person identifizieren Sie sich am meisten?
Von Identifizierung halte ich relativ wenig, beeindruckend, im Guten wie im Bösen, finde ich z.B. Maria I. von England oder auch Eleanor von Aquitanien. Eine sehr starke Persönlichkeit, wenn auch nicht „historisch“ im hier vielleicht ursprünglich gemeinten Sinn, ist für mich auch unbekannterweise meine Urgroßmutter, die sich ihr Leben lang kein Blatt vor den Mund nahm.
Welche lebende Person bewundern Sie am meisten?
Meine Mutter und, auch wenn sie wahrscheinlich nie auf die Idee käme, meine älteste (Halb-)Schwester. Beeindruckend im obigen Sinne finde ich z.B. die Frau unseres aktuellen Bundespräsidenten: Margit Fischer for President!
Welchen Ihrer Charakterzüge missbilligen Sie?
Feigheit (Schüchternheit?). Schlichte und einfache Feigheit, die so manches verhindert, auch positive Dinge.
Welchen Charakterzug missbilligen Sie an anderen?
Aufgesetztheit, Erzwungenheit, Künstlichkeit. Ich weiß nicht, wie man es am besten benennen soll.
Was ist Ihr grösster Luxus?
Ich muss sagen, ich habe über die Fragestellung länger nachgedacht: Luxus in welchem Sinn? Was ist das, Luxus? Für mich bin ich zu der Antwort gekommen, dass es – im Vergleich zu unzähligen anderen Menschen – die Freiheit ist, in einem gewissen Rahmen, aber dennoch das zu tun, sagen, denken, was ich möchte.
Wohin reisen Sie gern?
In Parallelwelten, die sich in meinem Kopf um fiktive Personen herum formen. Physisch würde ich mal wieder ins Land jenseits des Brenners gehören, z.B. nach Florenz. Auch andere Länder Europas – weniger Übersees – würde ich gern kennenlernen. Portugal etwa, Griechenland oder Irland.
Welche Tugend wird Ihrer Meinung nach überschätzt?
Die Tugendhaftigkeit an sich – das Ansammeln von Tugenden an der eigenen Person.
Wann lügen Sie?
Wenn mir das, was man Wahrheit nennt, für den Angelogenen als gerade nicht passend erscheint. Wie ich feststelle, anscheinend immer weniger.
Was stört Sie am meisten an Ihrem Äusseren?
Die falsche Linsenkrümmung im Auge und der Ansatz zum Bauchspeck, während gleichzeitig die Rippen hervorstehen.
Welche natürliche Gabe möchten Sie besitzen?
Sprachlich auf Befehl umschalten zu können – Hochdeutsch zu sprechen, ohne sich komisch vorzukommen. Und eine schön(er)e Singstimme wäre irgendwie auch nett.
Welches Wort oder welche Redewendung gebrauchen Sie zu häufig?
„…hab ich einmal wo gelesen.“
Was bedauern Sie am meisten?
Dass ich Fehler aus der Vergangenheit bedauere und lang daran knabbere, ohne etwas ändern zu können.
Wer ist die grösste Liebe Ihres Lebens?
Das gesprochene, noch mehr das geschriebene und vielleicht auch das gesungene Wort. Die Welt um mich, auch wenn es darin Krisen und Kämpfe gibt.
Wo und wann waren Sie am glücklichsten?
Ich weiß nicht, ob sich der „glücklichste Moment überhaupt“ in meinem bisherigen Leben definieren lässt. Aber vor nicht ganz so langer Zeit war ich fast euphorisch glücklich, als ich mal wieder das Gefühl hatte, verliebt zu sein.
Wenn Sie etwas an sich ändern könnten, was wäre das?
Ich denke mir immer wieder, man könnte dies oder das ändern, verbessern, antrainieren. Aber im Grunde kann man wohl keine Veränderung plötzlich erzwingen oder überstülpen, weil dann die Person in sich nicht mehr stimmig ist.
Was betrachten Sie als Ihren grössten Erfolg?
Keine Ahnung. Falls das mein Erfolg ist: Nicht schon als Haufen weniger Zellen den Abgang gemacht zu haben.
Als wer oder was möchten Sie wiedergeboren werden?
Wenn es irgend leicht geht, dann möchte ich lieber nicht wiedergeboren werden; ich hoffe darauf, dass nach dem Tod alles vorbei ist, „no hell below us and above us only sky“. Ansonsten hätte das Leben als Einzeller etwas durchaus Entspannendes.
Was ist Ihr wertvollster Besitz?
Alles, was in meinem Kopf ist. Das Vergangene, das eventuell Zukünftige und das garantiert Fiktive.
Was wäre für Sie das grösste Unglück?
Im Unglück keinen Boden unter meinen Füßen, keine Arme um meinen Körper zu finden.
Ihr Motto?
Motto? Schon lange nicht mehr drüber nachgedacht. Immer noch schön ist „Ex factis non ex dictis amici pensandi“ (Titus Livius). Und in letzter Zeit geht im Kopf die Erkenntnis um „Life is what’s going on while you’re busy making other plans“ (Lennon, John, an Lennon, Sean).
Ihre Lieblingsbeschäftigung?
Lesen und andere Aktivitäten, um Information, Information, Information aufzunehmen, welcher Art diese Information auch sein mag. Input, input, input, um vielleicht doch schrittweise klüger zu werden.
Was ist Ihr Hauptcharakterzug?
Die Gegensätzlichkeit. Geduld und Ungeduld, Freude und Trauer etc., alles eng nebeneinander.
Welche Eigenschaften schätzen Sie am meisten bei einer Frau?
Wie grundsätzlich bei jedem Menschen einen gewissen grundsätzlichen Respekt im zwischenmenschlichen Umgang.
Welche Eigenschaften schätzen Sie am meisten bei einem Mann?
S.o. plus: Sich in öffentlichen Verkehrsmitteln bzw. Hörsälen so hinsetzen zu können, dass er nicht eineinhalb Plätze braucht.
Was schätzen Sie bei Ihren Freunden am meisten?
So angenommen zu sein, wie ich bin; Verständnis auch ohne direktes Verständnis.
Ihre Lieblingsschriftsteller?
J. R. R. Tolkien für seine Sprachgewaltigkeit. Heinrich Heine für die treffenden, so viele Lebensbereiche und Empfindungen abdeckenden Gedichte. Michael Köhlmeier für die Kunst, einfach zu erzählen. Arthur Conan Doyle für die immer wieder schöne Entspannung bei Sherlock-Holmes-Geschichten. Und viele mehr, sich mit der Zeit fortwährend wandelnd und anders ausprägend.
Wie möchten Sie gern sterben?
Kurz und schmerzlos.
Was können Sie nicht leiden?
Wenn sich die Welt um mich mit einer anderen Geschwindigkeit bewegt, als wofür ich gerade bereit bin – also warten oder Hektik, vor allem wenn es eine länger andauernde Empfindung ist.
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